Ausreise mit Kindern

By | 28. November 2017

Der Prozess der Entscheidungsfindung und der Rückkehrvorbereitung, wie aber auch die gesamte Situation,  ist für viele Erwachsene emotional sehr belastend und stressbeladen. Häufig werden die Kinder in diese Prozesse nicht mit einbezogen, sodass sie kaum eine Möglichkeit haben, sich auf die auf sie zukommenden Gegebenheiten vorzubereiten. Oftmals kommt hinzu, dass Kinder ihr Heimatland nicht kennen und die Rückkehr für sie den Verlust der vertrauten Umgebung und von Freunden bedeutet. Aus diesem Grund ist die Einbeziehung der Kinder von entscheidender Bedeutung.

Hierbei sind folgende Schritte von großer Wichtigkeit:

Information

  • Das Kind ist über die Rückkehrpläne der Familie informiert.
  • Das Kind hat die Möglichkeit, Fragen über die Rückkehr zu stellen und somit Ängste und Erwartungen anzusprechen.
  • Das Kind hat allgemeine Informationen über das Rückkehrland (Aussehen der Heimatstadt, Fauna, Flora, Klima etc.).
  • Das Kind weiß über die zukünftigen Lebensverhältnisse Bescheid (Wohnort, Unterkunft, Verwandte, Schule oder Kindergarten, Möglichkeiten Freunde zu finden).
  • Das Kind ist mit den grundlegenden Verhaltensweisen im Rückkehrland vertraut. (Verhalten in der Öffentlichkeit, gegenüber Erwachsenen, in der Schule, kulturelle Bräuche etc.).
  • Die Eltern sind über den Umgang mit Heimweh und den möglichen Verhaltensänderungen der Kinder nach der Rückkehr (Schlafstörungen, Aggressivität, Rückzug, Einnässen, Sprachprobleme etc.) aufgeklärt.

Schule

  • Die Schule wurde über die Rückkehrpläne informiert.
  • Es liegt eine Schulbesuchsbestätigung von allen besuchten Schulen vor (bestätigt die Dauer des Schulbesuchs an dieser Schule und dient als Nachweis für den Besuch der Schule).
  • Es liegen die aktuellen Zeugnisse und eine Leistungsübersicht (bei Ausreise zwischen den Zeugnissen) vor.
  • Die Unterlagen von den Schulen sind auf den richtigen Namen des Kindes ausgestellt.
  • Die Unterlagen sind alle von einem beglaubigten Dolmetscher in die Landessprache übersetzt worden.
  • Die weitere Schullaufbahn und die dazugehörigen Formalitäten im Heimatland wurde geklärt

Sprache

  • Das Kind kann sich in der Landessprache verständigen, je nach Alter lesen und schreiben.

Originaldokumente (für in Deutschland geborene Kinder)

  • Das Kind hat eine auf seinen richtigen Namen lautende Geburtsurkunde (im Idealfall eine Internationale Geburtsurkunde).
  • Die Geburtsurkunde wurde von einem beglaubigten Dolmetscher in die Landessprache übersetzt.
  • Das Kind hat einen Reisepass oder ist in dem Pass / Passersatzpapier von mindestens einem Elternteil eingetragen.

Gesundheit

  • Die Eltern haben die Rückkehrpläne mit dem Kinderarzt besprochen.
  • Das Kind hat alle notwendigen Impfungen.
  • Das Kind hat einen internationalen Impfausweis.
  • Die Krankenakte wurde ausgehändigt.
  • Bei bestehenden Krankheiten liegen Atteste über Diagnosen und Behandlungen vor.
  • Die wichtigsten medizinischen Dokumente wurden in die Landessprache übersetzt.

Abschied

  • Das Kind hatte die Möglichkeit, sich von den Freunden und Bekannten zu verabschieden.
  • In der Schule oder im Kindergarten wurde der Abschied angemessen durchgeführt.
  • Das Kind hat die Möglichkeit, Erinnerungen (Fotos, Adressen der Freunde, Lieblingsspielzeug, Abschiedsgeschenke etc.) mitzunehmen.
  • Das Kind weiß, wie es mit den Freunden in Kontakt bleiben kann.

Sorgerecht

  • Wenn die Familie nicht gemeinsam ausreist, sollte sichergestellt sein, dass der Elternteil, der bei den Kindern ist, über alle Rechte und Vollmachten verfügt.
  • Wenn die Familie nicht gemeinsam ausreist, weiß das Kind, wo der andere Elternteil lebt, wie es mit ihm Kontakt halten kann und wann es ihn wiedersehen wird.

Wiedereinreiseoptionen

  • Es wurden mögliche Optionen zur Wiedereinreise des Kindes zu einem späteren Zeitpunkt geprüft und entsprechende Schritte eingeleitet, um dem Kind diese Optionen offen zu halten.